Datenanalyse mit Excel: von der Rohliste zur Antwort

Eine Datenanalyse in Excel folgt fast immer denselben Schritten: Daten bereinigen, verdichten, filtern und zeigen. Hier gehst du diesen Weg an einer Liste von Bestellungen durch und übst jeden Schritt direkt im Browser.

Kurz gesagt: Für die meisten Auswertungen brauchst du keine Statistiksoftware. Saubere Daten, eine PivotTable oder SUMMEWENNS und ZÄHLENWENNS, dazu FILTER, SORTIEREN und EINDEUTIG und am Ende ein passendes Diagramm beantworten die typischen Fragen aus Vertrieb, Einkauf oder Marketing.

Der Ablauf einer Datenanalyse in Excel

Wer Daten analysiert, springt gern direkt zum Diagramm. Die meiste Zeit kostet aber der Weg dorthin, und Fehler entstehen fast immer am Anfang. Diese Reihenfolge hat sich bewährt:

SchrittFrageExcel-Werkzeuge
1. BereinigenSind die Daten vollständig und einheitlich?GLÄTTEN, WECHSELN, Duplikate entfernen, Als Tabelle formatieren
2. VerdichtenWie viel, wie oft, wie hoch im Schnitt?PivotTable, SUMMEWENNS, ZÄHLENWENNS, MITTELWERTWENNS
3. EingrenzenWelche Einträge sind interessant?FILTER, SORTIEREN, EINDEUTIG, Sortieren und Filtern
4. ZeigenWie sieht man das Ergebnis auf einen Blick?Diagramme, bedingte Formatierung

Die Praxisaufgabe: Bestellungen eines Onlinehändlers

Du arbeitest in einem kleinen Handelsunternehmen, das online und in Filialen verkauft. Aus dem Shopsystem kommt eine Liste mit Bestellnummer, Region, Kanal, Stadt und Betrag. Die Geschäftsführung hat einfache Fragen: Wie hoch ist der durchschnittliche Bestellwert im Norden online? In welchen Städten wird überhaupt bestellt? Bevor du antworten kannst, müssen die Daten stimmen.

Schritt 1: Daten bereinigen

Importierte Daten sind selten sauber. Leerzeichen am Anfang oder Ende, uneinheitliche Groß- und Kleinschreibung und doppelte Zeilen sehen harmlos aus, verfälschen aber jede Auswertung. Für Excel sind „Nord“ und „Nord “ mit Leerzeichen zwei verschiedene Regionen, und SUMMEWENNS findet den zweiten Eintrag nicht. Die Übung zeigt das Bereinigen an Namen aus einem Formular, bei Regionen, Städten oder Artikelnamen funktioniert es genauso.

Aufgabe Die Namen kommen aus einem Online-Formular: mal klein, mal groß geschrieben, mit überflüssigen Leerzeichen. Schreib in B2 eine Formel, die den Namen sauber liefert, also ohne zusätzliche Leerzeichen und mit großen Anfangsbuchstaben (Jana Weber). Die Formel wird bis B7 ausgefüllt.

ABC
1 Name (Import) Name bereinigt Abteilung
2 jana weber Vertrieb
3 MURAT KAYA Einkauf
4 lena hoffmann Controlling
5 Tom Schulz Vertrieb
6 sara KLEIN Personal
7 ali demir Logistik

Die bereinigte Spalte ersetzt du anschließend über Kopieren und „Werte einfügen“ durch feste Werte. Doppelte Zeilen entfernst du über Daten, Duplikate entfernen. Wie du sie vorher prüfst, zeigt die Lektion Duplikate finden und entfernen. Mehr zu GLÄTTEN und WECHSELN steht in Text bereinigen. Zum Schluss formatierst du die Liste als Tabelle, dann wachsen alle Formeln mit, wenn neue Bestellungen dazukommen.

Schritt 2: Verdichten mit PivotTable und Formeln

Für einen schnellen Überblick ist die PivotTable das beste Werkzeug: Region in die Zeilen, Betrag in die Werte, fertig. Sie zeigt Summe, Anzahl oder Mittelwert mit wenigen Klicks. Für feste Kennzahlen, die immer an derselben Stelle stehen sollen, sind Formeln besser. SUMMEWENNS summiert, ZÄHLENWENNS zählt, und MITTELWERTWENNS bildet den Durchschnitt, jeweils mit beliebig vielen Bedingungen.

Aufgabe Wie hoch ist der durchschnittliche Bestellwert in der Region aus G1 über den Kanal aus G2? Berechne ihn in G3 mit MITTELWERTWENNS und nimm die Kriterien aus den Zellen.

ABCDEFG
1 Bestellung Region Kanal Betrag € Region Nord
2 1001 Nord Online 84 Kanal Online
3 1002 Süd Online 120 Ø Bestellwert €
4 1003 Nord Filiale 46
5 1004 Nord Online 132
6 1005 West Online 95
7 1006 Nord Online 57
8 1007 Süd Filiale 210
9 1008 Nord Filiale 73

Wichtig für die Interpretation: Ein Durchschnitt über wenige Werte schwankt stark. Schreib deshalb mit =ZÄHLENWENNS(B2:B9;G1;C2:C9;G2) daneben, auf wie vielen Bestellungen er beruht. Drei Bestellungen sind ein Hinweis, noch kein Trend.

Schritt 3: Eingrenzen mit dynamischen Arrays

Mit FILTER, SORTIEREN und EINDEUTIG schreibst du eine Formel, und das Ergebnis läuft über mehrere Zellen. Ändern sich die Daten, ändert sich die Liste mit. So entsteht etwa die Liste aller Städte als Grundlage für eine Auswertung je Stadt.

Aufgabe Für eine Auswertung je Stadt brauchst du zuerst die Liste der Städte: jede nur einmal und alphabetisch sortiert. Schreib in E2 eine Formel, die diese Liste aus B2:B9 erzeugt.

ABCDE
1 Bestellung Stadt Betrag € Städte
2 1001 Leipzig 84
3 1002 Bremen 120
4 1003 Leipzig 46
5 1004 Dresden 132
6 1005 Bremen 95
7 1006 Hamburg 57
8 1007 Dresden 210
9 1008 Leipzig 73

Diese Funktionen gibt es ab Excel 2021 und in Microsoft 365. In älteren Versionen nimmst du für dieselbe Liste Daten, Duplikate entfernen auf einer Kopie der Spalte oder die Zeilenbeschriftungen einer PivotTable. Mit =FILTER(A2:D9;D2:D9>=100) holst du alle Bestellungen ab 100 €, mit =SORTIEREN(…;4;-1) die größten zuerst.

Schritt 4: Ergebnisse zeigen

Ein gutes Diagramm beantwortet genau eine Frage. Säulen vergleichen Kategorien wie Regionen, Linien zeigen Entwicklungen über Monate, und ein Kreis lohnt sich nur bei wenigen Anteilen, die zusammen 100 % ergeben. Für Tabellen, die du weitergibst, hebt die bedingte Formatierung Ausreißer hervor, ohne dass jemand jede Zahl lesen muss.

Einfache Statistik in Excel

Für viele Fragen reichen wenige Kennzahlen. MITTELWERT liefert den Durchschnitt, MIN und MAX die Spannweite, ANZAHL die Zahl der Werte. Sind einzelne Werte sehr groß, verzerren sie den Durchschnitt. Dann hilft MEDIAN, der den mittleren Wert einer sortierten Liste liefert. Für Ranglisten gibt es KGRÖSSTE und RANG.

Wer mehr braucht, findet in Excel das Add-In „Analyse-Funktionen“. Du aktivierst es über Datei, Optionen, Add-Ins, Verwalten: Excel-Add-Ins, Gehe zu. Danach erscheint auf der Registerkarte Daten die Schaltfläche „Datenanalyse“ mit Werkzeugen wie Populationskenngrößen, Histogramm und Regression. Für den Einstieg kommst du aber mit Formeln und PivotTables weiter, weil sie sich bei neuen Daten selbst aktualisieren.

Typische Fehler bei der Datenanalyse

Zahlen, die als Text gespeichert sind

Steht ein Betrag linksbündig in der Zelle oder zeigt Excel ein grünes Dreieck, ist er Text. SUMME und PivotTable ignorieren ihn dann. Abhilfe schafft Daten, Text in Spalten, Fertig stellen, oder die Funktion WERT.

Leere Zeilen und Zwischensummen

Eine leere Zeile beendet für Excel die Liste, Zwischensummen werden doppelt gezählt. Die Rohdaten sollten eine durchgehende Liste ohne Summenzeilen sein.

Durchschnitt aus Durchschnitten

Den Durchschnitt von Regionen mit unterschiedlich vielen Bestellungen darfst du nicht einfach mitteln. Rechne immer aus den Einzelwerten, mit MITTELWERTWENNS oder einer PivotTable.

Häufige Fragen

Kann man mit Excel professionell Daten analysieren?

Für Listen bis zu einigen hunderttausend Zeilen und die typischen Fragen im Büro ja. Bei sehr großen Datenmengen oder wiederkehrenden Importen aus mehreren Quellen helfen Power Query, eine Datenbank oder Power BI.

Wo finde ich in Excel die Datenanalyse?

Die Schaltfläche „Datenanalyse“ erscheint auf der Registerkarte Daten, sobald das Add-In „Analyse-Funktionen“ aktiviert ist: Datei, Optionen, Add-Ins, Verwalten: Excel-Add-Ins, Gehe zu, Haken setzen.

PivotTable oder Formeln?

Die PivotTable ist schneller für Fragen, die du einmal stellst. Formeln wie SUMMEWENNS sind besser für Berichte mit festem Aufbau, die du jeden Monat wieder brauchst.

Welche Excel-Version brauche ich für FILTER und EINDEUTIG?

Excel 2021, Excel 2024 oder Microsoft 365. In älteren Versionen gibt es diese Funktionen nicht, dann helfen Sortieren und Filtern sowie PivotTables.

Als Nächstes: PivotTables sicher beherrschen

Die PivotTable ist das schnellste Werkzeug für die Datenanalyse in Excel. In der Lektion baust du eine Auswertung je Region und Monat und lernst, wann Summe, Anzahl oder Mittelwert die richtige Wahl ist.

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