Excel für Controlling: der Plan-Ist-Vergleich als Praxisaufgabe

Im Controlling ist Excel das tägliche Werkzeug für Berichte, Abweichungen und Forecasts. Hier baust du an einem Kostenstellenbericht Schritt für Schritt nach, was dafür wirklich gebraucht wird.

Kurz gesagt: Für Excel im Controlling brauchst du weniger exotische Funktionen als sichere Grundlagen. Summen mit Bedingungen, saubere Prozentrechnung, feste Bezüge und eine Regel, die Ausreißer sichtbar macht, tragen schon einen großen Teil der Monatsberichte.

Welche Excel-Kenntnisse im Controlling wirklich zählen

Controller arbeiten mit Daten aus dem Buchhaltungssystem, die meist als lange Liste exportiert werden. Die Aufgabe ist fast immer dieselbe: verdichten, vergleichen, erklären. Dafür reichen diese Werkzeuge, wenn du sie sicher beherrschst:

  • SUMMEWENNS, um Buchungen nach Kostenstelle, Konto und Monat zu summieren.
  • Absolute Bezüge, damit eine Formel beim Kopieren auf feste Werte wie Planzahlen oder Sätze zeigt.
  • WENN für Statusspalten wie „im Plan“ oder „prüfen“.
  • Bedingte Formatierung, damit große Abweichungen sofort auffallen.
  • XVERWEIS, um Planwerte, Kontenbezeichnungen oder Verantwortliche aus anderen Tabellen zu holen.
  • WENNFEHLER, damit fehlende Werte keinen Bericht mit #NV oder #DIV/0! füllen.
  • Datumsfunktionen wie MONAT und JAHR, um Buchungsdaten Perioden zuzuordnen.
  • PivotTables für schnelle Auswertungen, bevor du einen festen Bericht baust.

Die Praxisaufgabe: Kostenstellenbericht für das erste Quartal

Du arbeitest im Controlling eines mittelständischen Unternehmens. Die Buchhaltung hat die Kosten des ersten Quartals exportiert, jede Zeile ist eine Buchung mit Monat, Kostenstelle und Betrag. Die Kostenstellen tragen Nummern: 4100 Vertrieb, 4200 Marketing, 4300 IT, 4400 Personal, 4500 Einkauf und 4600 Produktion. Die Geschäftsführung möchte wissen, wo die Kosten vom Plan abweichen und welche Bereiche sie sich genauer ansehen sollte. Du gehst in drei Schritten vor.

Schritt 1: Ist-Kosten aus den Buchungen verdichten

Zuerst brauchst du die Ist-Kosten einer Kostenstelle in einem Monat. Kostenstelle und Monat stehen in eigenen Zellen, damit derselbe Bericht für jede Kombination funktioniert.

Aufgabe In A2:C9 stehen die Buchungen des ersten Quartals. Berechne in F3 mit SUMMEWENNS die Kosten der Kostenstelle aus F1 im Monat aus F2. Nimm die Kriterien aus den Zellen, damit der Bericht für jede Kostenstelle funktioniert.

ABCDEF
1 Monat Kostenstelle Betrag € Kostenstelle 4200
2 1 4100 12400 Monat 2
3 2 4200 8300 Summe €
4 1 4200 7900
5 2 4100 13100
6 2 4200 2450
7 3 4200 8800
8 2 4300 5600
9 3 4100 12750

Die Formel =SUMMEWENNS(C2:C9;B2:B9;F1;A2:A9;F2) ist das Herzstück vieler Controlling-Dateien. In einer echten Datei stehen die Kostenstellen untereinander und die Monate nebeneinander, und dieselbe Formel füllt die ganze Matrix. Dafür brauchst du gemischte Bezüge wie $A3 und B$2.

Schritt 2: Plan-Ist-Abweichung in Prozent

Jetzt liegen Plan und Ist je Kostenstelle nebeneinander. Eine Abweichung in Euro allein sagt wenig: 2.000 € mehr sind bei der Produktion kaum der Rede wert, beim Einkauf schon. Deshalb rechnest du die Abweichung in Prozent.

Aufgabe Berechne in D2 die prozentuale Abweichung der Ist-Kosten vom Plan. Die Formel wird danach bis D7 nach unten ausgefüllt. Das Ergebnis erscheint als Dezimalzahl: 0,15 bedeutet 15 % über Plan.

ABCD
1 Kostenstelle Plan € Ist € Abweichung
2 4100 Vertrieb 37500 38250
3 4200 Marketing 24000 27600
4 4300 IT 16000 15200
5 4400 Personal 9000 9450
6 4500 Einkauf 6500 7280
7 4600 Produktion 52000 49400

Bei Kosten heißt ein positiver Wert „teurer als geplant“. Bei Umsätzen ist es umgekehrt. Schreib deshalb in die Überschrift, wie die Abweichung zu lesen ist, oder rechne sie konsequent so, dass ein negativer Wert immer schlecht ist.

Schritt 3: Ausreißer automatisch markieren

Niemand liest in einem Bericht jede Zahl. Die Geschäftsführung will auf einen Blick sehen, welche Kostenstellen mehr als 10 % über Plan liegen. Eine Regel der bedingten Formatierung erledigt das und passt sich an, sobald neue Zahlen kommen.

Aufgabe Markiere mit bedingter Formatierung die ganzen Zeilen A2:C7, deren Ist-Kosten den Plan um mehr als 10 % überschreiten. Schreib die Formel der Regel so, wie sie für die erste Zelle A2 gilt.

ABC
1 Kostenstelle Plan € Ist €
2 4100 Vertrieb 37500 38250
3 4200 Marketing 24000 27600
4 4300 IT 16000 15200
5 4400 Personal 9000 9450
6 4500 Einkauf 6500 7280
7 4600 Produktion 52000 49400

Wer statt Farbe lieber eine Textspalte möchte, schreibt daneben =WENN((C2-B2)/B2>0,1;"prüfen";"im Plan"). Das hat einen Vorteil: Nach der Statusspalte kannst du filtern und sortieren.

Typische Berichte im Controlling

BerichtWorum es gehtExcel-Werkzeuge
Plan-Ist-VergleichKosten oder Umsätze je Bereich gegen das BudgetSUMMEWENNS, Prozentformel, bedingte Formatierung
KostenstellenberichtMonatliche Kosten je Kostenstelle für die VerantwortlichenSUMMEWENNS mit gemischten Bezügen, PivotTable
ForecastHochrechnung bis Jahresende aus Ist und Rest-PlanSUMME, WENN je Monat, absolute Bezüge
AbweichungsanalyseErklärung der größten AbweichungenSORTIEREN, FILTER, Statusspalte mit WENN
DeckungsbeitragsrechnungErlöse minus variable Kosten je ProduktXVERWEIS, SUMMEWENNS, einfache Formeln

Tipps für saubere Controlling-Dateien

Daten und Bericht trennen

Leg den Export auf ein eigenes Blatt und rechne den Bericht auf einem anderen. Kommt im nächsten Monat ein neuer Export, ersetzt du nur die Daten, und alle Formeln rechnen weiter.

Parameter in Zellen statt in Formeln

Schwellen wie 10 %, Monat oder Kostenstelle gehören in eigene, beschriftete Zellen. Dann sieht jeder, mit welchen Annahmen gerechnet wird, und niemand muss Formeln umschreiben.

Durch null teilen abfangen

Hat eine Kostenstelle keinen Planwert, ergibt die Abweichung #DIV/0!. Mit =WENNFEHLER((C2-B2)/B2;"") bleibt die Zelle leer, und der Fehler zieht sich nicht durch Summen und Diagramme.

Abstimmen, bevor du berichtest

Prüfe, ob die Summe deines Berichts der Summe des Exports entspricht. Eine Kontrollzelle, die die Summe des Berichts von der Summe aller Buchungen abzieht, sollte 0 ergeben. Ist sie es nicht, fehlt meist eine Kostenstelle im Bericht oder ein Monat im Kriterium. Das spart unangenehme Rückfragen.

Häufige Fragen

Welche Excel-Kenntnisse braucht man im Controlling?

Sicher beherrschen solltest du SUMMEWENNS, Prozentrechnung, absolute und gemischte Bezüge, WENN, XVERWEIS oder SVERWEIS, bedingte Formatierung und PivotTables. Makros und VBA sind in manchen Teams gern gesehen, für den Einstieg aber selten Voraussetzung.

Wie berechne ich die Abweichung in Prozent?

Mit =(Ist-Plan)/Plan, also zum Beispiel =(C2-B2)/B2, und danach das Zahlenformat Prozent. Die Klammern sind wichtig, sonst teilt Excel zuerst.

SUMMEWENNS oder PivotTable?

Eine PivotTable ist schneller für eine einmalige Auswertung. Für einen festen Bericht mit vorgegebenem Layout, der jeden Monat gleich aussehen soll, ist SUMMEWENNS meist die bessere Wahl, weil du Zeilen, Spalten und Formate selbst bestimmst.

Wird im Controlling noch SVERWEIS verwendet?

Ja, in vielen bestehenden Dateien. Wenn du Microsoft 365 oder Excel 2021 hast, ist XVERWEIS einfacher und robuster. Beide zu kennen ist sinnvoll, weil du oft mit Dateien von Kolleginnen und Kollegen arbeitest.

Als Nächstes: der Abschlusstest

Du hast gesehen, wie die einzelnen Funktionen in einem echten Bericht zusammenspielen. Der Abschlusstest ist der letzte Schritt des Kurses: gemischte Aufgaben aus allen Lektionen, ohne Hinweis, welche Funktion gefragt ist.

Zum Abschlusstest

Schreib uns