Excel im Vertrieb: drei Aufgaben aus dem Vertriebsalltag

Im Vertrieb landen Preislisten, Umsätze und die Pipeline fast immer in Excel. Hier löst du drei typische Aufgaben an einem durchgehenden Beispiel und siehst, welche Funktionen Vertriebler wirklich brauchen.

Kurz gesagt: Im Vertrieb geht es in Excel vor allem um drei Dinge. Preise und Kundendaten nachschlagen, Umsätze und Provisionen richtig berechnen und aus einer langen Liste die Deals herausziehen, um die man sich jetzt kümmern muss.

Welche Excel-Kenntnisse Vertriebler brauchen

Ob Außendienst, Innendienst oder Vertriebsleitung: Die Daten kommen oft aus dem CRM oder der Warenwirtschaft und werden in Excel weiterverarbeitet. Diese Werkzeuge tauchen dabei immer wieder auf:

  • XVERWEIS oder SVERWEIS, um Preise, Rabattstufen oder Kundendaten aus einer Liste zu holen.
  • WENN für Provisionen, Rabatte und Zielerreichung mit Schwellenwerten.
  • Absolute Bezüge, damit Sätze und Schwellen in einer Zelle stehen und beim Ausfüllen fest bleiben.
  • SUMMEWENNS für Umsätze je Vertriebler, Region oder Monat.
  • ZÄHLENWENN, um Abschlüsse, Besuche oder offene Angebote zu zählen.
  • FILTER und SORTIEREN für Top-Listen, die sich selbst aktualisieren.
  • Sortieren und Filtern per Menü für den schnellen Blick in die Kundenliste.
  • PivotTables für Umsatz nach Kunde, Produkt oder Quartal.

Die Praxisaufgabe: ein Monat im Vertriebsteam

Du arbeitest im Vertrieb eines Händlers für Büroeinrichtung. Das Team verkauft Stühle, Schreibtische und Zubehör an Firmenkunden. In diesem Monat stehen drei Dinge an: ein Angebot für eine Kundenanfrage, die Provisionsabrechnung für das Team und eine Liste der größten offenen Deals für das Forecast-Meeting mit der Vertriebsleitung.

Schritt 1: Ein Angebot kalkulieren

Ein Kunde fragt zwölf Schreibtische an. Statt den Preis in der Liste zu suchen und abzutippen, holst du ihn per Formel. So stimmt das Angebot auch dann, wenn die Preisliste aktualisiert wird.

Aufgabe Ein Kunde fragt 12 Stück des Artikels aus E2 an. Berechne in G2 den Angebotswert: Hol den Listenpreis mit XVERWEIS aus der Preisliste und multipliziere ihn mit der Menge in F2.

ABCDEFG
1 Art.-Nr. Produkt Listenpreis € Art.-Nr. Menge Angebot €
2 L-230 Bürostuhl Pro 349 L-250 12
3 L-210 Bürostuhl Basic 189
4 L-250 Schreibtisch 160 429
5 L-220 Rollcontainer 159
6 L-260 Monitorarm 89
7 L-240 Steh-Sitz-Tisch 689

Die Preisliste ist nicht nach Artikelnummer sortiert, wie es in der Praxis häufig vorkommt. XVERWEIS sucht standardmäßig genau und kommt damit problemlos zurecht. Mit SVERWEIS lautet die Formel =SVERWEIS(E2;A2:C7;3;FALSCH)*F2, und das FALSCH am Ende darf dann nicht fehlen.

Schritt 2: Provisionen abrechnen

Wer im Monat mindestens 20.000 € Umsatz macht, bekommt 4 % Provision auf den gesamten Umsatz. Satz und Schwelle stehen in eigenen Zellen, weil sie sich jedes Jahr ändern können. Die Formel muss für das ganze Team funktionieren.

Aufgabe Berechne in C2 die Provision: Wer mindestens den Mindestumsatz aus F2 erreicht, bekommt den Provisionssatz aus F1 auf seinen Umsatz, alle anderen 0. Die Formel wird bis C7 ausgefüllt und muss in jeder Zeile stimmen.

ABCDEF
1 Name Umsatz € Provision € Provisionssatz 0,04
2 Jana Weber 24500 Mindestumsatz 20000
3 Murat Kaya 18200
4 Lena Hoffmann 31800
5 Tom Schulz 19900
6 Sara Klein 20000
7 Ali Demir 27350

Achte auf die Grenze: Mit >= bekommt auch Sara Klein mit genau 20.000 € ihre Provision. Mit > ginge sie leer aus. Solche Details stehen im Provisionsmodell und sollten im Zweifel geklärt werden, bevor die Abrechnung rausgeht.

Schritt 3: Die größten Deals für das Forecast-Meeting

Die Pipeline enthält alle offenen Deals mit Kunde, zuständiger Person und Volumen. Für das Meeting will die Vertriebsleitung nur die großen sehen, sortiert vom größten zum kleinsten. Mit FILTER und SORTIEREN entsteht eine Liste, die sich mit jeder Änderung der Pipeline selbst aktualisiert.

Aufgabe Für das Forecast-Meeting brauchst du alle offenen Deals ab dem Volumen in F1, das größte zuerst. Schreib in E3 eine Formel, die die passenden Zeilen aus A2:C9 filtert und absteigend nach Volumen sortiert.

ABCDEFG
1 Kunde Vertriebler Volumen € Ab Volumen € 10000
2 Nordwerk Jana Weber 18400
3 Elbtal Murat Kaya 6200
4 Hafenlogistik Lena Hoffmann 24900
5 Spree Media Jana Weber 9800
6 Sachsenbau Tom Schulz 12750
7 Rheinkontor Sara Klein 4300
8 Alpenhof Murat Kaya 31200
9 Mainfeld Lena Hoffmann 10000
10

FILTER und SORTIEREN gibt es ab Excel 2021 und in Microsoft 365. In älteren Versionen setzt du stattdessen einen Filter über das Menü und sortierst nach Volumen. Das Ergebnis ist dasselbe, aktualisiert sich aber nicht von selbst.

Typische Excel-Auswertungen im Vertrieb

AuswertungWorum es gehtExcel-Werkzeuge
AngebotskalkulationPreise, Mengen und Rabatte für eine AnfrageXVERWEIS, einfache Formeln, absolute Bezüge
ProvisionsabrechnungProvision je Person nach Umsatz und ZielenWENN, WENNS, absolute Bezüge
UmsatzberichtUmsatz je Vertriebler, Region oder MonatSUMMEWENNS, PivotTable
Pipeline und ForecastOffene Deals nach Volumen und PhaseFILTER, SORTIEREN, SUMMEWENNS
KundenanalyseWer kauft wie viel, wer ist lange inaktivPivotTable, ZÄHLENWENN, bedingte Formatierung

Tipps für Vertriebsdateien

Preise nie abtippen

Jeder abgetippte Preis ist eine Fehlerquelle. Verweise auf die Preisliste, dann reicht eine Aktualisierung an einer Stelle, und alle Angebote stimmen wieder.

Konditionen sichtbar machen

Provisionssätze, Rabattstufen und Schwellen gehören in beschriftete Zellen. So kann jeder nachvollziehen, wie gerechnet wurde, und bei neuen Konditionen änderst du nur eine Zelle.

Mit Kundennummern arbeiten

Firmennamen werden unterschiedlich geschrieben: mit oder ohne GmbH, mit Leerzeichen am Ende. Eine eindeutige Kundennummer als Suchwert ist viel zuverlässiger.

Nicht gefunden abfangen

Bei einer unbekannten Artikelnummer liefert XVERWEIS #NV. Das vierte Argument fängt das ab: =XVERWEIS(E2;A2:A7;C2:C7;"unbekannt"). Im Angebot ist ein klarer Hinweis besser als eine Fehlermeldung.

Häufige Fragen

Welche Excel-Kenntnisse braucht man im Vertrieb?

Wichtig sind vor allem XVERWEIS oder SVERWEIS, WENN, absolute Bezüge, SUMMEWENNS, Sortieren und Filtern sowie PivotTables. Damit lassen sich Angebote, Provisionen und Umsatzberichte sicher erstellen.

Wie berechne ich eine Provision mit Staffel?

Für mehrere Stufen eignet sich WENNS, zum Beispiel =WENNS(B2>=30000;B2*5%;B2>=20000;B2*4%;WAHR;0). Die Bedingungen werden von oben nach unten geprüft, deshalb kommt die höchste Stufe zuerst.

Wie berechne ich den Umsatz je Vertriebler?

Mit SUMMEWENN: =SUMMEWENN(B2:B9;"Jana Weber";C2:C9) addiert alle Umsätze von Jana Weber. Steht der Name in einer Zelle, kannst du die Formel für das ganze Team nach unten ausfüllen. Für Umsatz je Person und Monat nimmst du SUMMEWENNS.

Was mache ich, wenn FILTER bei mir nicht funktioniert?

Dann hast du wahrscheinlich eine Excel-Version vor 2021. Nutze den Filter über das Menü Daten oder eine PivotTable. Beide gibt es in allen aktuellen Versionen.

Ersetzt das CRM nicht Excel?

Das CRM verwaltet Kunden und Deals. Für eigene Auswertungen, schnelle Kalkulationen und Abrechnungen exportieren viele Teams die Daten trotzdem nach Excel, weil sie dort flexibler rechnen können.

Als Nächstes: der Abschlusstest

Du hast Nachschlagen, Bedingungen und dynamische Listen in einem echten Ablauf kombiniert. Der Abschlusstest ist der letzte Schritt des Kurses: gemischte Aufgaben aus allen Lektionen, ohne Hinweis, welche Funktion gefragt ist.

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